Süßstoffe gelten als die gesunde Alternative zu Zucker – kalorienarm, zahnfreundlich und blutzuckerneutral. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass künstliche Süßstoffe nicht frei von potenziellen Risiken sind.
Was sind Süßstoffe?
Süßstoffe sind Substanzen, die Lebensmitteln und Getränken Süße verleihen – oft mit einer vielfach stärkeren Süßkraft als Zucker. Sie können sowohl natürlich vorkommen, etwa Stevia oder bestimmte Zuckeralkohole, als auch synthetisch hergestellt werden, zum Beispiel Aspartam oder Sucralose.
Als Zuckerersatz eingesetzt, beeinflussen Süßstoffe den Blutzuckerspiegel nur kaum und sind zahnfreundlich. Sie ermöglichen es, Lebensmittel zu süßen, ohne die Energiezufuhr stark zu erhöhen, und finden daher häufig Verwendung in Light-Produkten, Diabetiker-Lebensmitteln oder kalorienreduzierten Getränken.
Süßstoffe und die Funktion des Gehirns
Es zeigte sich, dass Personen mit dem höchsten Konsum an Süßstoffen deutlich schneller geistig abbauten als jene mit geringem Konsum.
Am 3. September 2025 wurden die Ergebnisse einer umfangreichen Langzeitstudie über den Zusammenhang zwischen künstlichen Süßstoffen und kognitivem Abbau in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.1
Studienergebnisse
Es zeigte sich, dass Personen mit dem höchsten Konsum an Süßstoffen deutlich schneller geistig abbauten als jene mit geringem Konsum. Konkret entsprach dies einem beschleunigten kognitiven Altern von bis zu 1,6 Jahren über den Studienzeitraum. Auch moderater Konsum war mit einem messbar schnelleren Rückgang der kognitiven Fähigkeiten verbunden. Bei Menschen unter 60 Jahren und solchen mit Diabetes war dieser Effekt stärker ausgeprägt.
Nicht alle untersuchten Süßstoffe wirkten gleich: Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythrit, Sorbit und Xylit standen mit einem stärkeren Rückgang in Gedächtnis und Sprachflüssigkeit in Zusammenhang. Einzige Ausnahme war Tagatose, für das keine signifikanten negativen Effekte festgestellt wurden.
Studiendurchführung
Die Studie wurde von der Universität São Paulo in Brasilien geleitet und von der brasilianischen Regierung unterstützt, einschließlich des Ministeriums für Gesundheit, des Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie des Nationalen Rates für Wissenschaftliche und Technologische Entwicklung.
Die prospektive Kohortenstudie wurde mit fast 13.000 brasilianischen Zivilangestellten im Alter von 35 bis 74 Jahren durchgeführt. Etwas mehr als die Hälfte der Stichprobe waren weiblich. Über einen Zeitraum von rund acht Jahren erfassten die Forschenden regelmäßig sowohl den Konsum von sieben verschiedenen Süßstoffen als auch die kognitive Leistungsfähigkeit. Zu diesem Zweck füllten die Teilnehmenden zu Beginn und in weiteren Abständen Ernährungsfragebögen (Food-Frequency-Questionnaires) aus, in denen insbesondere der Verzehr von Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythrit, Xylit, Sorbit und Tagatose dokumentiert wurde. Parallel dazu wurden in drei Messwellen über den gesamten Studienzeitraum hinweg kognitive Fähigkeiten überprüft, darunter Gedächtnisleistungen, verbale Fließfähigkeit und die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit. In der Analyse berücksichtigten die Forschenden zudem mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildungsgrad, Diabetesstatus sowie weitere Gesundheitsvariablen.
Einschränkung
Allerdings weisen die Forschenden darauf hin, dass die Ergebnisse Zusammenhänge aufzeigen, doch keine eindeutige Kausalität belegen. Zu den Stärken der Studie zählen die große Stichprobe und der lange Beobachtungszeitraum. Einschränkungen ergeben sich hingegen durch die Selbstauskunft zum Konsumverhalten sowie durch mögliche nicht vollständig kontrollierte Einflussfaktoren, die die Ergebnisse verzerren könnten.
Fazit
Insgesamt macht die Untersuchung deutlich, dass künstliche Süßstoffe, die lange als gesunde Alternative zu Zucker galten, auch Schattenseiten haben können. Besonders Menschen unter 60 Jahren sowie Personen mit Diabetes sollten ihren Konsum daher kritisch hinterfragen. Die Forschenden empfehlen, Süßstoffe nur maßvoll einzusetzen – also nicht täglich und nicht in großen Mengen.
Süßstoffe und die Darmflora
Tierstudien zeigen, dass der Konsum nicht-nutritiver Süßstoffe häufig mit Veränderungen des Mikrobioms einhergeht.
Die Gesundheit der Darmflora spielt eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel, die Immunfunktion, die kognitiven Leistungen und die Stimmung. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass einige Süßstoffe die Darmflora negativ beeinflussen können.
Studienergebnisse
Tierstudien zeigen, dass der Konsum nicht-nutritiver Süßstoffe häufig mit Veränderungen des Mikrobioms einhergeht. Dabei kommt es zu einer Abnahme nützlicher Bakterien wie Bifidobacterium und Lactobacillus, während potenziell schädliche Stämme wie Clostridium difficile oder E. coli zunehmen. Solche Verschiebungen können Entzündungen begünstigen, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) stören und die Signalübertragung von Darmhormonen verändern. In Humanstudien werden meist mildere Veränderungen beobachtet, was vermutlich auf Unterschiede in Dosierung, Studiendauer, Art des Süßstoffs oder im Studiendesign zurückzuführen ist. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass nicht-nutritive Süßstoffe zwar zur Kalorienreduktion und Blutzuckerregulation beitragen können, gleichzeitig jedoch das Gleichgewicht des Mikrobioms beeinträchtigen könnten.
Übersichtsarbeit
Die aufgeführten Studienergebnisse stammen aus einer Übersichtsarbeit von Helal F. Hetta et al., welche auf einer systematischen Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken basiert.2
In der Übersichtsarbeit wurden alle relevanten Studien zu künstlichen Süßstoffen (Non-Nutritive Sweeteners, NNS) und deren Auswirkungen auf das menschliche Darmmikrobiom zusammengefasst. Dabei wurden sowohl Tier- als auch Humanstudien berücksichtigt, um ein umfassendes Bild der möglichen Effekte auf die Zusammensetzung des Mikrobioms, Entzündungsprozesse und Stoffwechselvorgänge zu erhalten.
Fazit
Künstliche Süßstoffe können einerseits möglicherweise positive Effekte auf Gewichtskontrolle und den Blutzucker haben, andererseits besteht das Risiko, dass nützliche Darmbakterien reduziert und pathogene Stämme gefördert werden. Jedoch ist weitere Forschung notwendig, um langfristige Auswirkungen von Süßstoffen auf die Darmflora genauer zu beleuchten. Insgesamt legen die Studienergebnisse nahe, dass NNS, wenn überhaupt, nur in geringen Mengen konsumiert werden sollten – insbesondere solange keine gesicherten Empfehlungen vorliegen.
Süßstoffe und die Glukosetoleranz
Die Studie des Weizmann-Instituts zeigte, dass der Konsum von Saccharin, Sucralose oder Aspartam bei Mäusen eine Glukoseintoleranz auslöste und dass dieser Effekt durch Veränderungen der Darmflora vermittelt wurde.
Einige wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass künstliche Süßstoffe möglicherweise negative Auswirkungen auf die Glukosetoleranz haben können. Besonders bekannt ist die Studie des Weizmann-Instituts (2014), welche mit Mäusen durchgeführt wurde.3
Studienergebnisse
Die Studie des Weizmann-Instituts zeigte, dass der Konsum von Saccharin, Sucralose oder Aspartam bei Mäusen eine Glukoseintoleranz auslöste und dass dieser Effekt durch Veränderungen der Darmflora vermittelt wurde. Die Glukoseintoleranz verschwand nach einer Behandlung mit Antibiotika. Übertragungen der Darmflora von NAS-behandelten Tieren führten bei keimfreien Mäusen ebenfalls zu Glukoseintoleranz. In der Humanstudie reagierten vier von sieben Teilnehmern mit erhöhtem Blutzucker und einer veränderten Darmflora. Auch diese Veränderungen konnten auf Mäuse übertragen werden und führten dort zu Störungen im Glukosestoffwechsel.
Studiendurchführung
In der Studie erhielten Mäuse Trinkwasser mit Saccharin, Sucralose oder Aspartam in Mengen, die den zulässigen Höchstdosen entsprachen. Kontrollgruppen bekamen Wasser oder zuckerhaltiges Wasser. Zudem wurden Antibiotika-Experimente und Stuhltransplantationen auf keimfreie Mäuse durchgeführt, um die Rolle der Darmflora zu prüfen.
Fazit
Die Ergebnisse legen nahe, dass künstliche Süßstoffe über Veränderungen der Darmmikrobiota eine Glukoseintoleranz hervorrufen können. Damit könnten NAS paradoxerweise das Risiko für Stoffwechselstörungen wie Diabetes erhöhen. Da die Humanstudie jedoch sehr klein und kurzzeitig war, betonten die Fachexperten, dass weitere und langfristige Untersuchungen notwendig sind, um die Bedeutung dieser Effekte für die Allgemeinbevölkerung zu bewerten.
Süßstoffe und die Herzgesundheit
Die Studie zeigte, dass ein hoher Konsum künstlicher Süßstoffe insgesamt mit einem um 9 % erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert war.
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass bestimmte Süßstoffe die Herzgesundheit negativ beeinflussen könnten. Dazu gehört beispielsweise eine französische Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2022.4
Studienergebnisse
Die Studie zeigte, dass ein hoher Konsum künstlicher Süßstoffe insgesamt mit einem um 9 % erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert war. Aspartam war vor allem mit einem erhöhten Risiko für zerebrovaskuläre Erkrankungen verbunden. Zerebrovaskuläre Erkrankungen sind Krankheiten, die die Blutgefäße im Gehirn betreffen, dazu zählen vor allem Schlaganfälle. Acesulfam-K und Sucralose zeigten stärkere Zusammenhänge mit koronaren Herzerkrankungen – Erkrankungen der Herzkranzgefäße.
Die Assoziationen waren unabhängig von anderen bekannten Risikofaktoren und blieben auch nach Sensitivitätsanalysen stabil.
Studiendurchführung
Die prospektive Beobachtungsstudie wurde im Rahmen der französischen NutriNet-Santé-Kohorte durchgeführt. Die NutriNet-Santé-Kohorte ist eine seit 2009 laufende französische Online-Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Lebensstil und Gesundheit beleuchtet. Die über 100 000 Teilnehmenden gaben in wiederholten 24-Stunden-Ernährungsprotokollen detailliert an, welche Nahrungsmittel und Getränke sie konsumierten, einschließlich der enthaltenen künstlichen Süßstoffe (z. B. Aspartam, Acesulfam-K, Sucralose). Über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von etwa neun Jahren wurden die Teilnehmenden medizinisch überwacht, insbesondere in Bezug auf das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen (Herzinfarkt, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit). Die Analysen berücksichtigten zahlreiche Störfaktoren, darunter Alter, Geschlecht, Lebensstil, BMI, körperliche Aktivität und weitere Ernährungsfaktoren.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass künstliche Süßstoffe potenziell gesundheitliche Risiken für das Herz-Kreislauf-System bergen könnten. Auch wenn es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden kann, sprechen die Daten dafür, dass hoher Konsum von Süßstoffen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko einhergeht. Die Autoren betonen, dass diese Befunde in zukünftigen klinischen Studien bestätigt werden müssen, bevor klare Ernährungsempfehlungen abgeleitet werden können. Dennoch unterstreicht die Studie die Notwendigkeit, den Konsum sowohl von Zucker als auch von Süßstoffen kritisch zu betrachten und auf eine insgesamt gesunde Ernährungsweise zu setzen.
Süßstoffe und das Verlangen nach Süßem
Was häufig nicht bedacht wird: Viele künstliche Süßstoffe sind hundert- bis tausendfach süßer als Haushaltszucker. Diese extreme Süße überreizt die Geschmackssensoren, sodass natürliche Süße in Früchten, Gemüse oder Getreide oft weniger intensiv wahrgenommen wird. Folglich gewöhnt sich das Gehirn an sehr starke Süße, was das Verlangen nach süßen Lebensmitteln steigern kann. Menschen greifen daher eher zu zuckerhaltigen Snacks und raffinierten Kohlenhydraten (Weißmehl), weil die natürliche Süße von gesunden vollwertigen Lebensmitteln nicht mehr ausreichend befriedigt. Langfristig kann dadurch die Blutzuckerkontrolle und das Essverhalten (z. B. Heißhunger) gestört werden und sogar das Risiko für Übergewicht, Insulinresistenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen. Diese Zusammenhänge wurden beispielsweise in der Studie „Non-caloric sweetener effects on brain appetite regulation“ nachgewiesen, welche am 26. März 2025 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature Metabolism veröffentlicht wurde.5
Studienergebnisse
Die Studie zeigte, dass Sucralose die Aktivität im Hypothalamus signifikant stärker erhöhte als Zucker oder Wasser. Im Gegensatz zu Zucker führte Sucralose zudem nicht zu einem Anstieg der Insulin- und GLP-1-Spiegel, also jener Hormone, die für Sättigung und Appetitkontrolle wichtig sind. Gleichzeitig nahm die funktionelle Konnektivität zwischen dem Hypothalamus und Belohnungszentren wie dem anterioren cingulären Kortex zu. Besonders ausgeprägt war diese Reaktion bei übergewichtigen und adipösen Teilnehmern, während normalgewichtige Personen schwächere Effekte zeigten.
Studiendurchführung
Die Studie wurde an der Keck School of Medicine, University of Southern California durchgeführt. Es handelt sich hierbei um eine randomisierte Cross-Over-Studie mit 75 Erwachsenen (normalgewichtig, übergewichtig und adipös). An drei verschiedenen Tagen erhielten die Teilnehmer jeweils ein Getränk mit Sucralose, Zucker (Saccharose) oder Wasser. Vor und nach dem Konsum wurden funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)-Scans durchgeführt, um die Aktivität des Hypothalamus zu messen – dem Gehirnbereich, der Hunger und Appetit reguliert. Zusätzlich wurden Blutproben entnommen und subjektive Hungerbewertungen erhoben.
Fazit
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Sucralose das Hunger- und Belohnungssystem im Gehirn aktivieren kann, obwohl keine Kalorien oder Zucker aufgenommen werden. Dies könnte erklären, warum künstliche Süßstoffe das Verlangen nach Süßem verstärken und möglicherweise den Appetit steigern. Besonders bei Personen mit Übergewicht oder Adipositas könnte dies kontraproduktiv sein, wenn das Ziel eine Gewichtsreduktion oder eine gesunde Ernährung ist. Die Studie unterstützt die Annahme, dass Süßstoffe nicht einfach ein „kalorienfreier Ersatz für Zucker“ sind, sondern das Belohnungssystem des Gehirns beeinflussen.
Globales Fazit für den Alltag
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass künstliche Süßstoffe zwar helfen können, Kalorien einzusparen und den Blutzucker stabil zu halten, jedoch in zahlreichen Studien auch mit möglichen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht wurden. Daher empfehlen viele Fachleute, die natürliche Süße von frischen Früchten oder Trockenfrüchten zu nutzen und den Einsatz künstlicher Süßstoffe auf ein Minimum zu beschränken.
Für unsere Proteinpulver verwenden wir die milde, natürliche Süße von Dattelpulver – ganz ohne künstliche Zusätze.
Quellen
1American Academy of Neurology, Natalia Gomes Gonçalves et al.: „Association Between Consumption of Low- and No-Calorie Artificial Sweeteners and Cognitive Decline“ (09/2025), URL: https://www.neurology.org/doi/10.1212/WNL.0000000000214023
2 Helal F. Hetta et al.: „Artificial Sweeteners: A Double-Edged Sword for Gut Microbiome“ (15.04.2025), URL: https://www.mdpi.com/2079-9721/13/4/115
3 Jotham Suez et al.: „Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota“ (2014), URL: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25231862/
4 Charlotte Debras et al.: „Artificial sweeteners and risk of cardiovascular diseases: results from the prospective NutriNet-Santé cohort“ (2022), URL: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36638072/
5 Sandhya P. Chakravartti et al.: „Non-caloric sweetener effects on brain appetite regulation in individuals across varying body weights“ (2025), URL: https://www.nature.com/articles/s42255-025-01227-8